Unsere Forderungen

Kollektiv der prekären Arbeiter_innen in Hochschule und Forschung

Auf dem landesweiten Vernetzungstreffen vom 28. und 29. Mai 2016 einstimmig verabschiedet

Version française

  1. Festanstellung aller befristet angestellten Vertragsarbeiter_innen und Aushilfskräfte/Lehrbeauftragten in Hochschule und Forschung, die auf durchgängig bestehenden Stellen arbeiten!
  2. Massive Schaffung und öffentliche Finanzierung von Arbeitsverträgen für Doktorand_innen und von Festanstellungen an der Universität und in der Forschung für das gesamte hier beschäftigte Personal (Lehrende und/oder Forschende, Bibliothekar_innen, Personal im Verwaltungs-, Technik- und Sanitätsbereich) insbesondere durch Gelder aus dem Wissenschaftsetat!
  3. Öffentliche Erhebung über die prekären Zustände in den Universitäten und Forschungseinrichtungen und genaue statistische Erfassung der Vertragsarbeiter_innen, Aushilfskräfte/Lehrbeauftragten und ausgelagerten Beschäftigungsverhältnisse in den Sozialplänen der verschiedenen Einrichtungen!
  4. Monatliche Entlohnung der Aushilfskräfte/Lehrbeauftragten und der Vertragsarbeiter_innen und Einhaltung des Arbeitsrechts (wie z.B. die Verpflichtung zur Unterzeichnung eines Arbeitsvertrags vor Aufnahme der Beschäftigung und die Bereitstellung monatlicher Gehaltsnachweise)!
  5. Schluss mit der unbezahlten Arbeit und Entlohnung aller unsichtbaren Tätigkeiten, die von nicht festangestelltem Personal ausgeführt werden: Aufsicht und Korrektur von Klausuren, unbezahlte Überstunden, nicht entlohnte Lehr- und Forschungstätigkeiten, Missbrauch von Praktika etc.
  6. Der Zugang zur Promotion muss ein Recht für alle werden: Doktorand_innen müssen angemessen für ihre Arbeit der Wissensproduktion entlohnt werden und dies ohne vorherige Einschränkung der Laufzeit von Dissertationen und verbunden mit der Befreiung von Immatrikulationsgebühren! [1]
  7. Transparenz bei der Geldvergabe für Dissertationen, von Stellen als wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in oder Assistent_in und von Postdoc-Finanzierungen sowie in den Verfahren zur qualification [2] und Einstellung von Lehr- und Forschungskräften: Veröffentlichung der Gutachten von Auswahlkommissionen und individuell begründete Absagen!
  8. Verlängerung des Angliederungsdauer von neuen Doktorand_innen/Promovierten an ihre Forschungseinrichtungen [3] einhergehend mit dem gleichen Zugang zu den Örtlichkeiten und Finanzquellen wie das festangestellte Personal!
  9. Abschaffung jeglicher, mit Staatsangehörigkeit im Zusammenhang stehender Beschränkungen beim Zugang zu Stellen und Finanzierungsmöglichkeiten und Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen als „Arbeiter_in“ an ausländische Doktorand_innen, damit diese in den Genuss von Arbeitslosengeld nach Auslaufen ihrer Arbeitsverträge kommen können!
  10. Kampf gegen alle Formen systemischer Diskriminierungen an der Universität und in der Forschung, die sich auf die Prekarität stützen und sie verstärken!


[1] Anders als in Deutschland, ist eine Immatrikulation an einer Hochschule verpflichtend für alle Doktorand_innen.
[2] Die sog. qualification des Conseil national des universités (CNU) ist ein Spezifikum des französischen Hochschulsystems, mit der Personen, die eine Dissertation absolviert haben, eine auf Evaluation ihrer Lehr- und Forschungsaktivität (nachgewiesen durch Dissertationsgutachten, Publikationen und einen zusammenfassenden Überblick über durchgeführte Lehrveranstaltungen) basierende Zulassung zur Bewerbung auf eine Festanstellung im Mittelbau (maître_maîtresse de conférences [MCF], etwa: akademische_r Rät_in) erhalten. Der CNU verfügt über separate Sektionen in allen verschiedenen Fachgebieten und setzt sich jeweils zur Hälfte aus MCF und Professor_innen zusammen.
[3] In Frankreich sind alle Doktorand_innen über ihre Betreuer_innen automatisch an ein fachlich ausgerichtetes Forschungszentrum (laboratoire) angebunden. Diese Anbindung besteht in der Regel für die Dauer der Dissertation, wobei es in der Vergangenheit viele Versuche der Beschränkung (z.B. auf fünf Jahre) gab. Manche laboratoires gewähren eine automatische Anbindung über den Zeitraum der Dissertation hinaus, um die Betroffenen bei der Suche nach einer festen Stelle mit Know-how und Finanzmitteln (z.B. durch die Übernahme von Fahrtkosten für Bewerbungsgespräche) zu unterstützen.